Die Geschichte unserer Gemeinde

Die Frühzeit der reformatorischen Bewegung in Hamm ist gekennzeichnet von Auseinandersetzungen zwischen Reformierten und Lutheranern.
Während sich nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 die Mehrheit der Kirchengemeinden der Grafschaft Mark dem lutherischen Bekenntnis zuwandten, galt in Hamm seit 1562 das reformierte Bekenntnis.
Eingeführt wurde es von dem aus Holland stammenden Pfarrer Carl Gallus (eigentlich Karel de Haan, 1530-1616), der gemeinsam mit seinen zwei Vikaren Heinrich Bökelmann und Nicolaus Fischer den katholischen Ritus abschaffte, die Bilder aus der Pauluskirche (so der Name erst seit 1912; vor der Reformation hieß die Kirche ‚St. Georg’ bzw.– nach dem Schutzpatron der Stadt Hamm–‚Laurentius’ - , später dann einfach ‚Große Kirche’) verbannte und den Heidelberger Katechismus zur Grundlage des kirchlichen Lebens in Hamm machte.
1576 wurde er nach einem Streit mit seinem Vikar Brökelmann
über die Einkünfte aus dessen Vikarie seines Amtes enthoben und verließ Hamm.

Auch danach blieb das kirchliche Leben in Hamm durchaus bewegt: der 1580 in sein Amt gewählte dritte reformierte Pfarrer von Hamm, Joseph Naso, wurde 1595 wegen seiner theologischen Ansichten insbesondere zur Abendmahlslehre seines Amtes enthoben. Im Februar des Folgejahres versuchte er gewaltsam in sein Amt zurück zu kehren, scheiterte jedoch und wurde vom Landesherren ausgewiesen.

1611 wird in Hamm erstmalig ein reformierter Kirchenrat gebildet. Dies stellt die Geburtsstunde des Presbyteriums der Kirchengemeinde Hamm dar. Bis heute werden die Geschicke der Kirchengemeinde von diesem Gremium gelenkt. 

Im Jahre 1624 waren von den damals zirka 1000 Einwohnern der Stadt lediglich 10 lutherischen Bekenntnisses, 5 waren Katholiken.

Die evangelisch-lutherischen Christen feierten ihre Gottesdienste in Privathäusern, da der Rat der Stadt ihr Ersuchen von 1619, ihre Religion frei und öffentlich ausüben zu dürfen, verwehrt hatte.

1650 richtete die lutherische Gemeinde ihre Bitte um freie und öffentliche Religionsausübung an den Kurfürsten. Der Kurfürst gab diesem Anliegen statt. Am 19. März d.J. fand im Haus des lutherischen Kommandanten Oberst Hacke der erste lutherische Gottesdienst mit Predigt in Hamm statt. Der Versuch, diesen Gottesdienst im Haus des lutherischen Bürgers Heinrich Kahle durchführen zu lassen, war am Widerstand des Rates und der reformierten Gemeinde in Hamm gescheitert. Trotz Protesten der reformierten Gemeinde wurde das Privileg der Lutheraner auch von der zuständigen Regierung in Kleve am 5. Mai bestätigt. Mit Hermann Westhoff tritt am 29. September erstmalig ein lutherischer Pfarrer in Hamm seinen Dienst an.

Mit der in den Jahren 1734-1739 erbauten Lutherkirche erhielten dann auch die Lutheraner eine Gemeindekirche. Zu einer weitgehenden Verständigung zwischen den beiden protestantischen Richtungen kam es nach dem großen Stadtbrand von 1741, in dem die reformierte Kirche stark beschädigt wurde und die Lutheraner den Reformierten die Lutherkirche zur Mitbenutzung überließen.

1817 folgten die reformierte und lutherische Gemeinde dem in einer Kabinettsorder geäußerten ‚Wunsch’ des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. nach Vereinigung (Union) der beiden protestantischen Richtungen, die sich von nun an ‚evangelisch’ nannten.

Neben die Paulus- und die Lutherkirche trat 1903 die Christuskirche als Predigtstelle für den Hammer Westen, 1938 die Johanneskirche für den Hammer Norden, 1960 die Erlöserkirche für den Süden der Stadt und 1967 mit der Apostelkirche eine weitere Predigtstelle für den Hammer Westen. 2007 musste die Erlöserkirche aufgrund bautechnischer Mängel wieder abgerissen werden; als Gottesdienst- und Predigtstätte dient hier nun das Erlöserzentrum.