Andacht zum Sonntag Lätare, 14. März 2021, von Pfarrerin Ute Brünger

Wie gut tut doch Berührung!

Welch eine Wohltat! Ich lehne mich im Sessel zurück, fahre mit einem kleinen Knopf die Fußstütze hoch und lege meinen Kopf in die Mulde am Waschbecken. Und dann fließt angenehm temperiertes Wasser über meine Kopfhaut und geübte Finger schäumen mein Haar ein, waschen und massieren. Monatelang musste ich auf den Friseurbesuch verzichten, wochenlang ist mir kein Mensch so nahe gekommen wie jetzt die nette Mitarbeiterin im Friseurladen meines Vertrauens.


Wie gut tut doch Berührung, denke ich und nehme die Bilder wahr, die vor meinem inneren Auge auftauchen. Ich sehe eine Szene, die ich schon oft in der Bibel gelesen habe: Jesus saß in großer Runde beim Essen. Da kam eine Frau mit einem Fläschchen mit kostbarem Duftöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Kostbarer Duft, sanfte Berührung, pure Entspannung – die alte Geschichte und mein Erleben kommen sich nahe.


Ich lasse die Szene wirken und weiß doch, dass in der biblischen Geschichte der Frieden nur von kurzer Dauer ist. Wer genießt, macht sich verdächtig. Die säuerliche Stimme des Verzichtes ertönt und mahnt und ruft zur Ordnung. „Was für eine Verschwendung!“ „Was hätte man doch Gutes tun können mit dem Erlös des Salböls!“


Ja und? Geschieht nicht etwas Gutes mit dem teuren Duftöl? Und wird es nicht ungezählte weitere Gelegenheiten geben, den Armen beizustehen? „Ich bin jetzt wichtig“, sagt Jesus. Er lässt sich beschenken. Er genießt den Moment. Es werden ja noch andere Momente kommen – Momente des Abschieds, des Verzichtes, der Angst und des Schmerzes. Der Moment der Salbung ist ein kostbarer Moment, ein Augenblick, von dem Jesus zehren kann, wenn es schon bald hart für ihn wird. Die Mauler und Nörgler sind dann fort. Jesus wird allein sein mit seinen Erinnerungen an gute Tage, an Gemeinschaft, Zuwendung, Berührung, Blütenduft.


„Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat“, so ist es im Markusevangelium aufgeschrieben und so ist es wahr geworden. Bis heute berührt mich das, was die Frau damals für Jesus getan hat. Sie rührte ihn an und schenkte ihm einen Moment der Liebe. Mehr konnte sie nicht tun, mehr musste auch nicht sein.
Dass ich die guten Momente in meinem Inneren bewahre, das will ich mitnehmen in die Tage, die vor mir liegen.


Herzliche Grüße
Ihre Pfarrerin Ute Brünger