Andacht zu Silvester und Neujahr von Pfarrerin Ute Brünger

Jahreslosung für das Jahr 2021:

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“  (Lukas 6,38)


Still und leer ist es in unserem Kirchsaal. Alles war vorbereitet und geschmückt. Der schöne große Weihnachtsbaum mit Lichtern und Strohsternen. Die Krippenszene mit ihren großen Tonfiguren unter einem rustikalen Dach. Ein Anblick zum Innehalten und Genießen.
Die Menschen fehlen, die kommen und sich daran freuen. Die Musik fehlt, der Gesang, das „Gloria in Excelsis – Ehre sei Gott in der Höhe“. Es ist leer und es ist still und es ist seltsam, dass es so ist.
Seit dem Heiligen Abend lassen wir dennoch am Erlösergemeindehaus die Lichter leuchten. Wir haben alles so aufgebaut, dass man durch die großen Fenster die weihnachtliche Szenerie betrachten kann. Wer bei einem Spaziergang den Lichtschein sieht, lässt sich vielleicht anlocken und hält inne und wirft einen Blick auf das Geschehen.
Gott ist auf die Erde gekommen, aus der Weite des Himmels in die Enge des Stalls, aus unendlicher Ferne ganz nahe zu den Menschen, ganz nahe zu uns. Gott wollte es so. Er wollte am eigenen Leib erfahren, was es heißt, ein Mensch zu sein.
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“  Diese Botschaft hat Gott seinem Sohn mitgegeben auf die Erde. Diese Botschaft wird als Jahreslosung, als biblische Überschrift, über dem neuen Jahr 2021 stehen. Menschenfreundlich, mitfühlend, liebevoll sein, Rücksicht nehmen auf die Schwachen, mit dem Herzen denken und mit Vernunft handeln – all das steckt in dem kleinen Wörtchen barmherzig. Und noch viel mehr.
Im neuen Jahr 2021 haben wir wieder viele Möglichkeiten, Barmherzigkeit zu üben und Barmherzigkeit zu leben. So viel Nähe wie möglich geben und so viel Abstand wie nötig halten – die Weihnachtstage waren da ein riesiges Übungsfeld. Mutig das Leben wagen und dennoch nicht übermütig sich und andere gefährden – das wird die Aufgabe in den kommenden Wochen und Monaten sein.
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“  Diese Überschrift ist eine gute Leitlinie für die Zeit, die vor uns liegt. Und eine Zusage, die uns ermutigen kann: Gott ist barmherzig. Er spürt unsere Sorgen und Ängsten und sie sind ihm nicht gleichgültig.
In diesen Wochen bleiben unsere Kirchen und Gemeindehäuser leer. Das tut uns weh, ist aber ein Akt der Barmherzigkeit und der Vernunft. Ich vertraue darauf, dass Gott in seiner Barmherzigkeit uns hilft, diese Zeiten zu bestehen. Und dass wir ihn bald auch wieder gemeinsam loben können: „Gloria in Excelsis – Ehre sei Gott in der Höhe“.