Andacht zum Sonntag nach Weihnachten, 27. Dez. 2020 von Pfarrer Ralph Haitz

 

„… meine Augen haben deinen Heiland gesehen …“ (Lukas 2,30)

Am Sonntag nach Weihnachten geht die Weihnachtsgeschichte weiter:
Maria und Josef bringen den neugeborenen Jesus in den Tempel von Jerusalem. Vor der Familie steht auf einmal Simeon, ein alter Mann. Ein Leben lang hat Simeon gewartet, vergeblich gewartet:
Auf den, der den Frieden bringt, auf den, der für Gerechtigkeit sorgt, auf den, der neue Möglichkeiten schenkt. Nach so langem Warten hat Simeon immer noch Hoffnung.
Und dann geschieht es auf einmal: Simeon sieht die ihm unbekannte Maria zusammen mit dem ihm ebenso unbekannten Jesuskind. Und es kommt zur unerwarteten Begegnung. Es kommt zur Berührung mit dem
Heiland. Plötzlich ist das Jesuskind auf den Armen des Simeon. Simeon, der so lange voller Unruhe gewartet hat, wird nun ganz ruhig. Sein Warten hat sich gelohnt. Sein Hoffen wurde nicht enttäuscht.
Simeon sieht den Heiland mit seinen eigenen Augen. Simeon kommt in Berührung mit Jesus. Simeon findet seinen Frieden. Endlich.
Das Licht der Welt leuchtet auf – für Simeon. Ein tiefer Frieden erfüllt ihn. Die ganze Welt hat auf einmal ihren Schrecken verloren.

Sogar den Tod fürchtet Simeon nicht mehr. Er betet:


„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren; wie du gesagt hast:
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
den du bereitet hast vor allen Völkern,
ein Licht, zu erleuchten die Heiden
und zum Preis deines Volkes Israel.“
(Lk.2, 29-32)

Es ist dieses Gebet des Simeon, das in christlichen Klöstern bis auf den heutigen Tag das Nachgebet der Mönche und der Nonnen ist. Es ist dieses Gebet des Simeon, das bis heute im letzten Stundengebet eines jeden Tages, in der Komplet gebetet wird. Mit diesem Gebet des Simeon schließen viele Christenmenschen ihren Tag ab.
Mit diesem Gebet vertrauen sich Christen dem Dunkel der Nacht an. Jede und jeder kann dieses Gebet des Simeon beten. In dem Vertrauen, dass das Licht, das von Jesus ausgeht, jede Finsternis vertreibt.
In der Hoffnung, dass auch unser Warten sich lohnt. In dem Glauben, dass auch unsere Sehnsucht erfüllt wird und wir Jesus begegnen.
Damit ER uns berührt.
Damit ER uns versöhnt.
Damit ER uns ermutigt.
Damit ER uns rettet.

SEIN Friede, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus!