Andacht zum 4. Advent, 20.12.2020

(2. Timotheus 1, 7-10)
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der
Liebe und der Besonnenheit.


1. Es war ein anderes Jahr!


Liebe Gemeinde,
dies ist fast das Ende. Das Ende des Jahres 2020. Jetzt auch kalendarisch. Das Jahr
geht zu Ende. Weihnachten steht vor der Tür. Doch wenn wir zurückschauen: Was war
das für ein Jahr 2020? Es war so anders als alle Jahre, die ich bisher kannte.
Ausnahmezustand! Veranstaltungen wurden in der Gemeinde abgesagt! Hygieneregeln
regelmäßig verfasst und geändert. Kaum soziale Kontakte. Ein Leben auf Distanz. Die
Menschen im Supermarkt, in der Schule oder auf der Arbeit haben stattdessen Maske
auf. Man sieht Liebe in den Augen! Aber Frust und Angst eben auch!
Es war ein anderes Jahr! Es war und es ist eine andere Adventszeit! Denn dieser 4.
Advent stellt Fragen an uns: Was wird in Zukunft kommen? Was wird in Zukunft
bleiben? Wovor haben wir Angst?


2. Wovor haben Sie Angst?


Die Ängste heute sind ganz vielfältigt: Die Angst um unsere Lieben und die Angst, sie
zu verlieren. Die Angst vor dem Verlust von Position und Arbeitsstelle. Die Angst, das
eigene Leben nicht mehr in der Hand zu haben. Ich kann ihnen diese Angst nicht
nehmen.
Ich bin kein Politiker und werde es auch niemals sein. Ich bin kein Ökonom. Ich bin
Pfarrer. Und als Pfarrer nutze ich das Feld, indem ich mich auskenne. Ich nutze die
Worte der Bibel. Und in ihr steht: »Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.« 365 mal sagt Gott in der Bibel:
»Fürchtet euch nicht!« Er sagt es für jeden Tag des Jahres: »Fürchtet euch nicht!«
Offenbar weiß Gott ganz genau, dass wir diesen Zuspruch immer wieder nötig haben.
Gerade jetzt in diesem Advent! Gerade in diesem Jahr!


3. Gegen die Angst!


Und so klingt unser heutiger Predigttext wie ein lautes »Fürchte dich nicht!« In einer
besonders angstvollen Zeit schlüpft jemand in die Haut des Apostels Paulus. Mit dessen
Autorität stärkt und ermutigt er die Menschen. Dabei geht es dem Verfasser nicht im
Kern darum, die Angst einfach wegzumachen. Das funktioniert ja nicht. Es geht darum,
ihr die Grenzen zu zeigen. Denn das ist die Gefahr bei der Angst: Dass sie immer noch
größer wird. Dass man aus lauter Angst vor der Angst noch mehr Angst bekommt. Denn
dann kann Angst wie Quarantäne sein, in der wir uns einschließen und in der wir
keinerlei Ausweg mehr sehen.


4. Glaube verändert!


Glauben bedeutet also nicht, keine Angst mehr zu haben. Das wäre naiv. Aber – das
lese ich aus dem Timotheusbrief: Der Glaube verändert die Angst! Er zeigt ihr eine
Grenze auf! Bis hierher und keinen Schritt weiter. Denn Gott macht uns euphorisch. Er
ruft uns zu: »Du bist nicht alleine. Du bist nie alleine. Du mit deinen Ängsten. Ich halte dich. Vertraue darauf!« Ich vertraue darauf, denn ja:

5. Verwandeln!


Es war ein anderes Jahr! Es war und bleibt eine andere Adventszeit! Wohin uns dieser
Advent - ja, dieses Jahr bringen wird - ich weiß es nicht! Doch was für mich bleibt, ist
nicht allein die Angst. Was für mich bleibt, ist der Geist der Kraft, der Liebe und der
Besonnenheit. Denn der Glaube hat für mich die Angst verwandelt. Er setzt Menschen
in Bewegung. Er lässt sie kreativ werden, um Distanzen zu überwinden. Er schafft
Gemeinschaft, wo vorher manchmal keine war. Und so steht dieser 4. Advent nicht nur
am Ende der Adventszeit. Dieser Advent ist der Anfang von etwas Neuem. Gott kommt
uns in Christus entgegen. Gott erfindet sich selbst neu! Und er traut es uns auch zu. Wir haben es in der Hand! Verwandeln wir unsere Angst! Gehen wir neue Wege! Amen.

Pfarrer Alexander Jasczyk