Andacht zu Karfreitag, 10. April 2020

Karfreitag - Wir denken an das Sterben Jesu am Kreuz.
Karfreitag 2020. Wir denken an die vielen Menschen, die sterben durch die Pandemie, die uns unsere Ohnmacht spüren lässt.
Karfreitag ist wie ein dunkles Tal, Jesus stirbt einsam auf Golgatha.
Auch heute sterben Menschen einsam. Eine Bekannte aus Italien schreibt: "Viele Menschen sterben in diesen Tagen. Es ist schlimm, dass sie nicht begleitet werden können."
Karfreitag ist schwer auszuhalten. Ein Tag der Stille - in diesem Jahr ist es besonders still - keine Gottesdienste in unseren Kirchen. Nur im Netz und in Rundfunk und Fernsehen werden Gottesdienste gefeiert, an denen wir aus der Ferne teilhaben können.

Karfreitag ist wie ein dunkles Tal - der Himmel verfinstert sich. Es wird dunkel. Mitten am Tag - Finsternis. Da, wo es hell war, verfinstert sich auf einmal der Himmel.
Auch, wenn draußen die Sonne scheint - viele erleben  Dunkelheit. Erleben ihren Karfreitag, ihr Kreuz: Abschied und Tod, Enttäuschung, Ungewissheit, wie es weitergeht ...

Die täglichen Nachrichten legen sich wie ein Schleier auf mein Gemüt, verdunkeln meinen Blick. Doch in der Dunkelheit des Karfreitags stirbt Jesus mit den Worten:

"In deine Hände, Gott, lege ich meinen Geist, lege ich mein Leben."

Jesus legt sich, sein Leben, sein Sterben in Gottes Hand. Auch wenn Gott weit weg scheint, Gott hält ihn.
Als Jesus stirbt, reißt im Tempel der Vorhang von oben nach unten entzwei. Der Zugang zu Gott ist frei. Jesu ist für uns der Weg zu Gott. Auch das ist Karfreitag: Wir dürfen vor Gott treten mit allem, was uns auf dem Herzen liegt, mit ihm reden, klagen, beten, vor ihm schweigen.
Das Kreuz hat zwei Balken: Der eine steht senkrecht, der andere waagerecht. Der eine zeigt die Verbindung zu Gott, der andere die zu unseren Mitmenschen. Im Kreuz sind wir miteinander und mit Gott verbunden.
Auch, wenn jeder seinen Karfreitag, jede ihr Kreuz zu tragen hat, niemand ist mehr von Gott allein gelassen. Jesus, der den Weg in die Tiefe gegangen ist, steht uns zur Seite- auch in der Finsternis, die uns bedroht.  
Im Kreuz  zeigt Gott uns seine Liebe, in seinem Sohn Jesus Christus  nimmt er unser Kreuz auf sich. Er trägt mit an unserem Kreuz - auch wenn wir das nicht immer spüren. Darum ist das Kreuz ein Hoffnungszeichen für uns.

Es grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Christel Schmidt